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Berichte der Volunteers aus Irland



Thomas Neumayer - Dezember 2011


Was ist deine Motivation für den Freiwilligendienst?

Zum Ende meiner Schulzeit habe ich mir Gedanken gemacht wie ich mein weiteres Leben gestalten möchte, was meine Ziele sind und wie ich sie erreichen kann. Da ich sehr unentschlossen war, in welche Richtung ich mein Studium ausrichten möchte, habe ich mich über ein Jahr im Ausland erkundigt. Zum einen kann ich so meine Englischkenntnisse verbessern und zum Anderen habe ich so die Möglichkeit, losgelöst vom Schulalltag, meine Studienwahl nochmal zu überdenken.
Mir war jedoch wichtig, dass der Freiwilligendienst etwas mit Jugendarbeit zu tun hat, da ich schon in der Vergangenheit sehr aktiv in der Jugend tätig war. Seit vier Jahren arbeite ich nun schon mit Jugendlichen in meiner Gemeinde. Zuerst begann ich mit einer wöchentlichen Gruppenstunde und gleichzeitig wurde ich Mitglied in der KLJB (Katholische Landjugendbewegung). Ein Jahr später wurde ich Mitglied im Leitungsteam der KLJB, dessen Aufgabe darin besteht ein Pfingstlager und ein Sommerlager zu organisieren. Vor zwei Jahren wurde ich Mitglied im Vorstand unser Ortsgruppe, den ich bis heute angehöre.
Aufgrund dieser Erfahrungen mit Jugendarbeit und besonders durch das Gefühl den Kindern, durch meine Arbeit, etwas zu vermitteln und ihnen eine Freude zu bereiten, habe ich mich dazu entschlossen in meinem Freiwilligendienst mit Jugendlichen zu arbeiten.


Wie verlief die Vorbereitung in Deutschland?

Da meine Einsatzstelle in Irland ist hatte ich eher einen geringen Vorbereitungsaufwand, ich brauchte keine speziellen Impfungen oder Visen. Die erste wirkliche Vorbereitung hatte ich im zweiwöchigen Vorbereitungsseminar. Zusammen mit den anderen Freiwilligen der Redeptoristen, habe ich viele verschiedene Themenbereiche, wie interkulturelle Kompetenz, Teamrollen, Teamentwicklung, Gender Studies und Kommunikation abgedeckt. Ebenso wurden die letzten organisatorischen Dinge geklärt, um den Dienst antreten zu können.
Ich fühlte mich durch das Seminar sehr gut vorbereitet, besonders weil ich keinen Kontakt zu meiner Familie hatte und mich so besser auf ein Jahr im Ausland einstellen konnte. Aber auch die Themen haben mir sehr weitergeholfen, sie haben mir einen Einblick gegeben wie verschieden das Gastland sein kann und in welchen Art und Weisen ich mein Eigenes Verhalten für einen Auslandsaufenthalt vorbereiten kann. Im Vorfeld habe ich mich über zwei Wochen sehr geärgert, da es mir zu lang vorkam und ich nicht wusste was es mir bringen soll. Doch im Nachhinein hat unser Seminarleiter, Andre Latz, ein sehr ausgewogenes Programm auf die Beine gestellt und so mein Interesse gesteigert.


Vorstellung deiner Einsatzstelle und des Projektes (Beschreibung der im Projekt stattfindenden Aktivitäten, Organisation der Arbeit, Rolle der Freiwilligen im Projekt)

Meine Einsatzstelle ist Clonard Monastry, speziell das Youth Team. Unsere Hauptaufgabe besteht in der Gestaltung von Retreats. Viermal in der Woche haben wir einen Retreat, was so viel bedeutet wie einen Schritt zurück zu machen, innehalten und über sich selber nach zu denken. Je nach Altersklasse besprechen wir verschiedene Themen, wobei wir einen großen Wert darauf legen, dass die Schüler über ihr eigenes Leben reflektieren und nachdenken. Hierzu werden Grundthemen wie Freundschaft, Gutes und Böses in der Welt und die Position der eigenen Person in der Welt besprochen.
Im groben haben wir für jeden Retreattag einen festen Tagesablauf. Wir starten mit Icebreakern, einer kleinen Einweisung in die Hausregeln und einer Meditation. Danach splitten wir die Großgruppe in Kleingruppen. Die verbleibende Zeit, bis zu einen 15 minütigen Pause um 11.00 Uhr, verbringen wir meist in der Kleingruppe mit einen Vorstellungsrunde. Die Jgendlichen werden gefragt, wie sie heißen, was sie gerne machen (Sport, Kunst, etc.) und was sie mögen (TV-Shows, Musiker, etc.). Teilweise können die Fragen auch variieren, je nach Altersgruppe und stattgefundenen Events (Urlaub, Weihnachten, etc.). Auch wir als Leiter stellen uns vor und geben den Kindern die Möglichkeit Fragen zu stellen.
Nach der Pause beginnen wir mit der ersten Session, die ungefähr eine Stunde geht. Das Thema hängt sehr vom Alter und der geschlechter Verteilung in der Gruppe ab. Jedoch das Grundkonzept ist immer gleich, wir versuchen eine Diskussion zu führen, an dessen Ende die Jugendlichen ihre Gedanken auf einem Plakat zusammen fassen können. Hierauf folgt eine 35 minütige Mittagspause, in der sie vom Lehrpersonal beaufsichtigt werden. Nach der Mittagspause halten wir nochmal kurz inne für ein kleines Gebet und versuchen mit ein bis zwei Spielen die Energie der Kinder zurück zu gewinnen. Danach startet die zweite Session, die sich vom Aufbau sehr unterscheiden kann. Wir haben die Möglichkeit eine zweite Diskussionsrunde zu führen, einen Guestspeaker einzuladen, einen Shortfilm zu gucken oder die Kirche zu besichtigen. Abgeschlossen wird der Tag mit einer kurzen Mediation in der Großgruppe.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen vom alltäglichen Ablauf, beispielsweise wenn wir zu Schulen selber fahren oder wir Gruppen mit jüngeren Kindern haben, die nur einen halben Tag von uns betreut werden.
Meine Hauptaufgabe als Freiwilliger ist die Leitung der Kleingruppen und einiger Spiele. Aber auch die Vorbereitung und die spätere Reinigung des Raums gehören zu einem täglichen Retreattag. Da das Team dieses Jahr aus vier Personen, jedoch die Gruppen meist eine Anzahl von 30 Personen haben kommen nur drei Gruppen zu Stande, wodurch immer zwei Teammitglieder zusammen arbeiten müssen.
Jeden Mittwoch haben wir einen Officetag an dem wir organisatorische Dinge regeln oder spätere Retreats vorbereiten.
Bei größeren Events, wie dem Advent Festival oder regelmäßigen Treffen mit den involvierten Jugendlichen nehme ich natürlich auch teil.


Wie verläuft deine Einarbeitung ins Projekt?

In der ersten vier Wochen meines Projekts wurde ich eingearbeitet habe bei der Leitung einer Kleingruppe über die Schulter geguckt. Nach und nach kamen dann kleiner Aufgaben hinzu wie ein Spiel anleiten oder Aufgaben in der Kleingruppe zu erklären. Ich habe mir dann immer zu Hause meine eigenen Notizen und Gedanken zu den Themen aufgeschrieben, was mir die Spätere Leitung einer Kleingruppe sehr vereinfacht hat.


Wie verläuft dein Einleben im Gastland?

Ich habe mich sehr gut hier im Gastland eingelebt und auch schon viele Kontakte geknüpft. Auch die Irische Mentalität sagt mir sehr zu, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Der einzige Makel ist der Akzent in der Bevölkerung. Ich finde es auch nach vier Monaten immer noch schwer einige Leute zu verstehen. Besonders fällt es mir bei der Arbeit mit den Kindern auf. Teilweise finde ich es schwierig eine gute Diskussion auf zu bauen, wenn ich einige der Kinder nicht versteh kann.
Durch die große Offenheit der Iren fand ich es einfacher mich ein zu leben und mich in ihrer Mentalität zu Recht zu finden.


Allgemeine Informationen über das Gastland, politische und gesellschaftliche Lage, Tätigkeiten
Die politische und gesellschaftliche Lage in Nordirland ist für mich als Deutschen schwer zu verstehen oder gewöhnungsbedürftig. Durch die langwierigen Auseinandersetzungen im Land, hat sich ein starkes Bild der Trennung entwickelt. Überall in der Stadt findet man, durch Mauern, getrennte Gebiete und auch die einzelnen Parteien sind nicht gut auf einander zu sprechen. Jedoch besteht kein Risiko der Gefahr oder Auseinandersetzung.
Die „befeindeten“ Gebiete leben nebeneinander her, nur im Stadtzentrum kommen sie zusammen. Diese Gleichgültigkeit finde ich als Deutscher schwer nach zu vollziehen, da auch kein Interesse besteht den Konflikt zu lösen oder zumindest eine langsame Annäherung zu versuchen.


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