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Berichte der Volunteers aus Indonesien

Marc Schiffer - Oktober 2011

Dann, drei Tage nach Ende des Seminars ging es für mich auf nach Indonesien. Den ersten Monat dort habe ich genutzt, um Sprache und Kultur kennenzulernen. So habe ich ungefähr zwei Wochen lang in der Stadt Jogyarkarta gelebt und mit den dort studierenden Fratres (zukünftige Patres) und zwei Lehrern ein wenig indonesisch gelernt. Da diese Sprache von der grammatikalischen Struktur her sehr simpel ist, konnte ich schon nach einer Woche Gespräche auf Smalltalk-Ebene führen. Nach diesen zwei Wochen, in denen ich von der gesamten Gemeinschaft der Patres und Fratres sehr herzlich und offen aufgenommen wurde, bin ich mit zwei Fratres aus den Phillipinen, die auf Sumba ein Jahr Pastoralarbeit in der Mission machen werden, nach Bali geflogen. Dort haben wir drei Nächte in einem Gästehaus des Bistums übernachtet und auf Pater Robert gewartet, mit dem wir nach Westsumba fliegen sollten. Dort angekommen schauten wir uns sofort das
Kulturzentrum (einen Bericht über das Kulturzentrum und dessen Eröffnung findest Du unter diesem Link) an, welches mit viel Eifer und Einsatz von Pater Robert gebaut und gestaltet wird. Am nächsten Tag wurden die beiden Fraters abgeholt, um sich der Missionsarbeit anzuschließen, so dass ich erst mal alleine mit den vier Patres im Exerzitienhaus der Redemptoristen in Weetebula blieb. Langeweile kam allerdings nicht auf, da ich entweder mit Pater Robert unterwegs war, der mir die traditionellen Dörfer Sumbas zeigte, in denen er selber groß geworden ist, mich mit den beiden deutschen Patres, die beide schon über 40 Jahre in Indonesien leben und arbeiten, über die sumbanesische Kultur unterhielt oder einfach Vokabeln lernte. Auch hier wurde ich sehr offen in die Gemeinschaft einbezogen, so dass meine Aufgabe bei der morgendlichen Messe um sechs Uhr oft darin bestand, die Lesung (natürlich auf indonesisch) zu lesen. An einem Sonntag bin ich mit Pater Robert in eine Außenstation der Pfarrgemeinde gefahren, um dort Messe zu feiern. Die Kirche, ein für die Verhältnisse recht großes Gebäude, was nur mit dem nötigsten versehen war, war überfüllt von Gläubigen, unter ihnen viele Kinder. Nachdem der Gottesdienst vorüber war und auch jeder dem Deutschen, der für ein Jahr auf Sumba arbeiten wird die Hand geschüttelt hatte, sind Pater Robert und ich weiter gefahren. Zuerst haben wir uns ein traditionelles Dorf, mit den bekannten Sumba- Hütten und Megalitstein- Gräbern angeschaut und sind danach zu Pater Roberts Bruder Essen gegangen. Dort schenkte mir seine Frau eines der traditionellen- und sehr kostbaren- Tücher, die als Kleidungsstück verwendet werden, damit ich es bei der Einweihung des Kulturzentrums vor 2 Wochen tragen konnte- was ich natürlich auch tat. Nach dieser Stärkung ging es weiter in das Dorf, in dem Pater Robert groß geworden ist. Hier unterstützt er- parallel zum Bau des Kulturzentrums- den Bau eines traditionellen Hauses, dessen Errichtung von vier Architekturstudenten dokumentiert wird, um diesen Teil der Kultur zu sichern. Eigentlich wollten wir nur kurz Geld abgeben, welches zum Bau des Hauses und für die vielen Feiern infolgedessen benötigt wird, allerdings kam alles anders… Wie es so im Dorf ist, setzten wir uns erst mal in eine solche traditionelle Hütte auf den Bambusboden, tranken Kaffee und es wurde viel geredet von dem ich kein Wort verstand, da die Dorfbewohner in ihrer Stammessprache redeten( viele von ihnen können kein indonesisch). Als es um die Verteilung des Geldes ging, gab es einige Missverständnisse innerhalb der Dorfbewohner, welche nach einiger Zeit des Brüllens, mit gezogenem Schwert Hüpfens (was als Vorbereitung zum Kampf und zur Einschüchterung des Gegners dient) arteten diese Missverständnisse zu einer handfesten Rangelei aus. Da in einem Dorf jeder Mann ein Schwert besitzt und bei sich trägt, packten Pater Robert, die vier Studenten und ich schnell all unsere Sachen und sprangen aus der Hütte raus. Nach einiger Zeit legte sich der Streit, und die Rangelei nahm, zum Glück ohne Verletzte, ein Ende. Daraufhin warteten wir eine Weile, bis sich die Lage beruhigt hatte, bevor sich die Dorfgemeinschaft erneut traf. Die Streithähne von vorher entschuldigten sich bei Pater Robert, den Studenten und mir mit einem Nasenkuss (dieser dient auch zur Begrüßung von Freunden) für den Zwischenfall. Nach einigen weiteren Stunden des Gesprächs kam man schließlich überein, dass das Geld weniger für die eigentlich üblichen Käufe von Schweinen und Büffel dienen sollte, die dann geschlachtet und den Arbeitern die beim Hausbau halfen zum Essen gereicht wurden, sondern, dass damit das Haus an sich fertig gestellt werden sollte. Um die Übereinkunft zu Feiern wurde erst mal ein Schwein geschlachtet. Nach dem Abendessen im Dorf übergab Pater Robert schließlich das Geld und wir machten uns auf den Heimweg. Dieser Tag war für mich sehr eindrucksvoll, da ich hautnah die Kultur und den Charakter der traditionellen Dörfer erleben durfte. Er war sehr herausragend in der Zeit im Exerzitienhaus, daher auch so viel Text dazu. Nach einigen weiteren Tagen in Weetebula fand ein Treffen aller Redemptoristenpatres in Sumba statt. Bei dieser Gelegenheit lernte ich viele Patres und vor allem auch die Patres, mit denen ich zusammenarbeiten werde, kennen. Ich wurde von dem Provinzial offiziell willkommen geheißen und auch hier sofort integriert. Nach dem Treffen ging es dann per Auto endlich nach Ostsumba. Auf der 6stündigen Fahrt dorthin wurde mir ein wenig flau im Magen, was einerseits an den vielen Kurven und der nicht unbedingt gut ausgebauten Fahrbahn lag, andererseits aber auch daher rührte, dass ich extrem nervös und aufgeregt war, bald die gut 150 Internatskinder kennenzulernen. Die Fragen, ob sie mich akzeptieren würden, nachdem mein Vorgänger Tobias schon dort war, wie sie mit Unterschieden zwischen ihm und mir umgehen werden beschäftigten mich… Nach 6 Stunden Fahrt also kamen wir endlich im Internat Pada Dita an. Die Kinder lernten zu der Zeit und ich wurde von Pater Jack rumgeführt. Alle gaben mir die Hand und begrüßten mich. Während die Kinder später zu Abend ißen wurde ich von Pater Jack und Frater Yoris (ein indonesischer Frater, der ein Jahr Pastoralarbeit macht) in den Essensraum geführt. Ich wurde mit Jubelschreien und Geklatsche empfangen, was mich zuerst verwunderte, mir dann alle Zweifel nahm. Nachdem ich vorgestellt wurde, schoben einige Kinder den kleinsten unter ihnen zum Vergleich neben mich. Wenn ich aufrecht stehe und die Arme normal hängen lasse, komme ich grade so an seinen Kopf. Nach dem Essen endete für mich der erste Tag in Pada Dita. Mit mir im Internat arbeiten 2 Patres (Pater Rano und Pater Jack) und ein Frater (Frater Yoris). Bald wurde ich von ihnen auch in den Schulen vorgestellt und lernte den Alltag im Internat kennen: 4:45 Uhr: Aufstehen 5:30 Uhr: Messe 6:00 Uhr: Frühstück 6:30 Uhr: Appell und Abmarsch zur Schule 7:30- 13:00 Schule !4:00 Uhr: Mittagessen 14:30-16:30 : Mittagsschlaf 16:30-18:00 : Arbeiten ( Schweine versorgen, Holz hacken usw….) Danach duschen, Abend essen, lernen, beten, schlafen…. Zur Zeit unterrichte ich in insgesamt 4 Schulen, davon 2 Grundschulen. Eine dieser Grundschulen ist eine Schule, für die nicht bezahlt werden muss, sodass dort vor allem Kinder aus sehr armen Familien zur Schule gehen. In den Grundschulen und der Mittelschule unterrichte ich Englisch, in der Schule, die unserer Oberstufe entspricht, Deutsch. Zurück zu Hause unterhalte ich mich viel mit den Kindern, die sehr interessiert an Unterschieden zwischen Sumba und Deutschland sind. Bei der zeit der Arbeit helfe ich bei dem Versorgen der Schweine aus, da die Arbeit dort einfach am meisten Spaß macht. Einer der Patres hat einen anderen Grund gefunden, den er dann auch nach der Messe auf einer Außenstation bekannt gegeben hat: Im Schweinestall sind unter den vielen schwarzen Schweinen auch weiße Schweine, weswegen ich mich dort so wohl fühlen würde. Abends helfe ich bei Hausaufgaben, schicke faule Kinder zum lernen oder ähnliches.Oft sind noch bis abends spät Fragen offen, die geklärt werden müssen, da es sonst in der Schule von Lehrer Prügel gibt…. Das Einleben in die Kultur verläuft meines Erachtens auch sehr gut. Schon in der ersten Woche wurde ich auf alle Feiern mitgenommen und musste mich teilweise offiziell vorstellen, sodass mich innerhalb von kurzer Zeit sehr viele Leute kannten. Nach gut 10 Tagen kam dann die erste Einladung an mich persönlich…. Bei der Einweihung des Kulturzentrums (welches ich vorher schon nannte) lernte ich außerdem die traditionelle Kultur nochmals intensiv kennen. Tuch, Kopftuch und Schwert gehören zur ursprünglichen Sumbanesichen Kleidung, sodass auch ich diese trug. Nachdem ich 2 Tage damit rumgelaufen bin und sogar den traditionellen Schlachtruf angestimmt habe ( ja davon gibt’s Bilder), klopften mir einige auf die Schulter und meinten, ich sei nun Sumbanese. Zusammen mit den Internatskindern brachten wir einen Büffel und 4 Rinder zu der Feier mit, die mit Gesang, Tanz und Gejubel dem Ausrichter der Veranstaltung, Pater Robert, übergeben wurde. Bei der Einweihungsmesse, die der Bischof hielt, bildeten die Internatskinder und ich den Chor. Zusammen sangen wir Lieder auf indonesisch aber auch auf verschiedenen Stammessprachen Sumbas. Nachdem ich dann zum ersten Mal gesehen habe wir ein ausgewachsener Büffel mit einem einzigen Schwerthieb geschlachtet wurde und nachdem ich eine Nacht auf einer Bambusbank, ohne Decke oder Jacke, eher weniger schlafend verbracht habe, ging es mit den Kindern wieder zurück und der Alltag holte uns am nächsten Morgen um 5:00 Uhr in Form des Weckers wieder ein. In den 2 Wochen nach der Veranstaltung bis jetzt ist auch einiges passiert. Ich bin vom Zimmer des Bischofs umgezogen in mein endgültiges Zimmer, welches liebevoll eingerichtet ist mit einem Bett (1,8m x80cm) einem Schrank, einem Tisch, 2 Plastikstühlen und, jetzt kommt das Highlight, ein eigenes Bad hat es auch! Nachdem der Bischof ankam, bin ich mit ihm in ein Dorf weit im Osten Sumbas gefahren (6h Schotterweg) um dort die Gründung einer Neuen Gemeinde mit einer Messe zu feiern. Vor der Messe aßen alle mitgereisten beim König der Region zu Mittag. So kam es, dass der kleine Marc mit dem Bischof und dem König auf einem Sofa saß. Nun bin ich gerade aus der Provinzhauptstadt Kupang zurück gekommen, wo ich mein Visum verlängern musste, und habe etwas Zeit gefunden, einen etwas (sehr viel) längeren Bericht als sonst zu schreiben. Alles in Allem waren die ersten 2 Monate für mich eine sehr schöne zeit mit sehr vielen unvergesslichen Eindrücken, die ich gar nicht alle zu Papier bringen kann. Das hier Geschilderte sind nur Momente und Veranstaltungen, die besonders schön waren und mir noch sehr stark in Erinnerung liegen…. Ich fühle mich sehr wohl auf Sumba und freue mich auf die nächste Zeit, die ich dort noch verbringen werde.


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